(c) 2006 Mara Loytved-Hardegg
Bildobjekte aus Papiertüten


Blick in die Ausstellung ´La peau - die Haut`, 1993
Blick in die Ausstellung ´La peau - die Haut`, 1993
MARA CALLING

Schwarz, schwarz, schwarze
Pumpe, schwarze Tüte, schwar-
ze Pumpe Bitterfeld.

Schwarze Haut, was ist schwarz,
was ist Haut, was ist Pumpe?

Schwarz ist keine Farbe, auch
kein bis zum Anschlag auf-
gedrehtes Rauschen, Schwarz
ist eine Referenz.

Die Haut ist kein Ding und kein
Fleisch. Sie ist eine Oberflöche,
eine Wahrnehmungstatsache.

Das Auge ist eine Pumpe. Der
Stein war Ding oder Haut: bei
Alberti.

Die Haut hat Falten, Löcher,
Risse, Fransen, Poren, Narben.

Der Stein ist ein Stein, keine
Haut. Er kann auch keine Haut
haben. Er hat aber Risse,
Kanten, Falten usw. Wie kann
das sein?

Der Stein zum Stein, das Schwarz
ist ein Loch, besser Schwarz im
Kopf als Loch.

Farbe Kleister Farbe, Farbe
Umbra, Farbe Farbe. Farbe
Schwarz, Haut zuckt.

Schwarze Tüte, schwarze
Henkel, schwarze Haut.

Mara Tüte Henkel Haut, kein
Schwarz ohne Henkel.


Michael Hellgardt
Palazzone, Aug. 1992



Bei Mara im Atelier

Das, was die 'drei Schwarzen'   versprechen, ist das Ereignis ihrer Verwandlungen im wechselnden Tageslicht.

Am frühen Morgen, wenn die drei noch im Halbschatten dahindämmem, gibt es scheinbar nichts, was sie voneinander unterscheidet: in Farbe und Leim getränkte Tüten. Alles schwarz. Die auf dem Kopf hängenden Tütenhenkel sagen, woher sie kommen: aus einem italienischem Supermarkt. Aber dies zu wissen, ist nicht wichtig. Erst bei einem bestimmten Stand der Sonne zeigt das Licht, was die 'Schwarzen' voneinander unterscheidet.

Um die Mittagszeit schimmert über den ersten ein weißer Schleier. Im Sehwinkel von 45° flackert beim zweiten ein schamhaftes Rot auf, das sich, bei einer weiteren Bewegung des Betrachters hinter einer schwarzledernen Falte versteckt. Das dritte zeigt erst am Nachmittag, was es zu bieten hat: schwitzende Hautfestzen bis an die Ränder der Tütenfalten und sonst nichts. Jetzt wäre es Zeit, den Blick abzuwenden. Ein schwarcer Sog hält mich. Ich warte bis die Sonne sich hinter dem Berg verkrochen hat. Und dann tut das dritte so, als wäre nichts gewesen. Beim zweiten entdecke ich jetzt ein verschämtes Blau und ein vorlautes Gelb, und über den weißen Schleier des ersten hat sich ein seriöses Grau gelegt.

Das erste ist am Abend etwas älter geworden. Das zweite zeigt eine unerwartete Heiterkeit und das dritte kennt kein Lächeln. Darin liegt ihr Geheimnis: sie geben, was wir als Betrachter bereit sind, mitzubringen: eine unvoreingenommene Leere, Zeit und das Spiel des wechselnden Tageslichtes. Nur so ist ihnen auf die Spur zu kommen.

Rosemarie Blank
Palazzone, August 1992