(c) 2006 Mara Loytved-Hardegg
´Da ist Raum und Zeit dazwischen`


Düstere Szene
Eine Installation von Mara Loytved-Hardegg im Nürnberger Atelier Zwing, 1984

Ein Raum wird zum Symbol, wird zum Sinnbild für versuchte Flucht, für Heimatlosigkeit, für die Schrecken von Vergangenheit und Gegenwart. Da tauchen Häuser mit Rädern auf, Wunschbilder der Veränderung und gleichzeitig Signale für ein Dableibenwollen. Wolf Biermann fällt mir da ein und seine Zeile: "Ich möchte am liebsten weg sein und bliebe am liebsten hier."

"Da ist Raum und Zeit dazwischen", hat die Nürnberger Malerin und Zeichnerin Mara Loytved-Hardegg ihre Installation genannt, die ab heute (19 Uhr) Im Atelier von Gerd-Alois Zwing in der alten Gärtnerei an der Nürnberger Vogelherdstraße 16 zu besichtigen ist. Fluchtversuche also, festgemacht an Metaphern und Symbolen, und doch sehr realistisch, überzeugend, nachvollziehbar.

Auf Papier und auch auf die alten, nackten Wände, deren Putz abbröckelt, durch die sich Risse ziehen und an denen hier und dort noch Relikte der Werkstatt Vergangenheit ohne Funktion existieren, hierhin hat Mara Loytved-Hardegg ihre Ängste und Visionen gezeichnet. Zum Beispiel die dunkle Erinnerung an allerfrüheste Kindheit: der Mitteltrakt von Hitlers Aufmarschtribüne am Dutzendteich, dazu retuschierte Fotos von dieser steinernen Monstrosität und Collage-Schnipsel von mittelalterlichen Stadttürmen - Zitate aus ferner und naher Vergangenheit. Und rechts fährt eines dieser erwähnten Häuser auf Rädern davon. Der Wunsch, fortzugehen und dabei das Liebgewonnene mitzunehmen.

Mara Loytved-Hardegg, deren Arbeiten in unserer Region bereits in der Fürther Förstermühle und der "Galerie Keresztes" präsentiert wurden, bezieht hier nun bei dieser Installation den vorgegebenen Raum sinnfällig mit ein, nimmt einen Fleck auf der Wand als Hausfront, setzt ihre Zeichnung da herum, nutzt Ecken des Raumes und zeichnet eine fliehende Figur so, daß ein Stück abgebrochener Putz zum Gesicht der Gestalt wird.

Beleuchtet wird das düstere. bedrückende Szenarium von zwei Neonlampen, die auch kalt und unerbittlich auf eine große Kohlezeichnung strahlen. Geduckt, gedrängt, die Arme furchtsam vor der Brust verschränkt, schieben sich dunkle Menschen auf ein Haus zu, auf die Seite des Hauses, die noch heil scheint. Doch die andere ist schon zerstört, schemenhafte Gestalten flüchten an den Bildrand, und auf dem Atelierboden liegt ein Haufen Asche.

"Da ist Raum und Zeit dazwischen" - eine ebenso beklemmende wie fesselnde zeichnerische Rauminszenierung. Was alles noch Mara Loytved-Hardegg mit Räumen zu machen vermag, dies wird draußen, im Treppenhaus mit Fotoserien dokumentiert. Da malt die Künstlerin, in einem Eck stehend und sich darin bewegend, mit Händen, Knien und Ellenbogen ein zweiteiliges Bild in dem Figuren ahnbar werden. Solche, wie in dem ebenfalls ausgestellten Doppelgemälde. "Die Umarmung zweier Leinwände oder die Abwesenheit der Körper".
Bilder vom Rand der Welt, vom Rand der Dinge. Grenzbilder. Den leeren Raum zwischen den Teilen haben wir mit unserer Phantasie zu füllen. Eine Herausforderung. der man sich stellen sollte.

M.B. (Michael Becker), NN 28.9.1984